Vor etwa einem Jahr war die Hochschulszene in Aufruhr und das alles ging von einem einzigen und kleinen Land aus: In Österreich waren viele Studenten nicht mit den Rahmenbedingungen zufrieden und gingen deshalb auf die Straße. Nach Jahren langen Studierens auf einer Universität, bei der überhaupt kein Fortschritt zu sehen war und immer nur Versprechen zu hören waren, die am Ende nicht eigenhalten wurden, hatten viele die Nase voll. Noch dazu waren von der Regierung wieder einmal die Studiengebühren ein Gesprächsthema, was in der österreichischen Universitätsszene sowieso ein haariges Thema ist: Es gab vor ca. zehn Jahren schon einmal Studiengebühren, aber diese wollte niemand. Man hatte sich an die angenehme Situation gewöhnt und wollte sich nicht der europäischen Norm anschließen. Denn beinahe überall muss man heute schon fürs Studieren zahlen.
Die Kollegen folgen
Die Wiener Studenten gingen also auf die Straße und viele Auszubildende der österreichischen Großstädte folgten ihrem Beispiel. Aber das war nicht das Ende des Protestes, denn dann fing es erst richtig an. Die Nachrichten aus Wien erreichten auch andere europäische Staaten. Viele fingen deshalb auch über ihre eigenen Studienbedingungen zum Nachdenken an: War auf der eigenen Hochschule alles in Ordnung oder waren die Probleme nicht auch vergleichbar mit denen der Wiener Kollegen. In Folge erhoben sich auch viele ausländische Studenten und in Windeseile war in den meisten Hauptstädten Europas diese Bewegung ausgebrochen. Man zollte sich in den einzelnen Städten Tribut und versprach nicht aufzugeben.
Deutschland demonstrierte mit
Vor allem in Deutschland war dieses Thema sehr wichtig. Österreich und Deutschland haben ja eine sehr spezielle Verbindung: Es ist nicht nur die Sprache, die in beiden Ländern dieselbe ist, sondern auch innerhalb der Universitäten sind sie sehr stark verbunden. Beispielsweise studieren viele Deutsche in Österreich, umgekehrt ist das eher seltener, es kommt aber auch hin und wieder vor. Vor allem erste Berufserfahrung sammeln österreichische Studenten gerne in Deutschland. Denn in den Millionenstädten gibt es natürlich viel mehr Chancen in die großen Konzerne dieser Welt hinein zu schnuppern.
So kam es dann auch, dass in Städten wie Hamburg, München oder Berlin viele ihre Lernunterlagen beiseitelegten und dafür aber Plakate bastelten. Das Studium Berlin beispielsweise musste also warten und der Kampf für Gerechtigkeit stand auf dem Stundenplan. Es wurden Demonstrationen organisiert, die dann in Folge auch von anderen Gesellschaftsgruppen unterstützt wurden. In kurzer Zeit passierte allerdings etwas sehr häufiges: Die Bewegung kam von den eigentlichen Forderungen ab und war plötzlich gegen beinahe alles. So konnten Forderungen an die Politik natürlich nicht gestellt werden.